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Kinokritik "District 9"
„District 9“. In verschiedenen US-Städten tauchten plötzlich rätselhafte Verbots- und Warnschilder auf, mit denen Gebiete als „nur für Menschen“ deklariert wurden, nicht-menschliche Wesen sollten sofort gemeldet werden. Produzent J.J. Abrams musste ohne die Zugkraft von großen Stars auskommen und es gab auch keine populäre literarische Vorlage. Zudem war das Budget von gerade einmal 25 Millionen Dollar weit entfernt von der für vergleichbare Blockbuster üblichen Größenordnung. Doch der Erfolg sollte ihm Recht geben. Am US-Eröffnungswochenende mit einem Einspielergebnis von 37,4 Millionen Dollar und Platz 1 der Kinocharts.
Dass „District 9“ gerade einmal einen Bruchteil der von anderen Sci-Fi-Action-Produktionen verschlungenen Budgets gekostet hat, sorgt für ein ungläubiges Staunen. So wurden die als „Prawns“ (Shrimps) bezeichneten Aliens zwar größtenteils am Computer animiert, doch ihre Herkunft aus dem Rechner ist an fast keiner Stelle zu merken. Sie fügen sich vielmehr perfekt in die Umgebung ein. Selbst bei der Action müssen keine Abstriche gemacht werden. Wenn plötzlich ein Riesenroboter auftaucht, der wilde Schießereien, Explosionen und pures Chaos auslöst, sieht das immer noch 1a aus.
„District 9“ basiert auf den Erfahrungen mit der Apartheidpolitik in Südafrika. Diesem noch heute brisanten politischen Subtext verleiht Blomkamp ungeschönt und in aller Deutlichkeit Nachdruck. Die wie Vieh eingepferchten „Prawns“ leben in „District 9“ unter ähnlich schlimmen Bedingungen wie die schwarze Bevölkerung in den „Townships“ von Südafrika während der Herrschaft der weißen Minderheit. Teilweise haben sich die sozialen Verhältnisse bis heute nicht entscheidend gebessert. Der Filmtitel verweist zudem nicht zufällig auf den realen Armenbezirk „District 6“ in Johannesburg. Auch für die das Camp beherrschenden brutalen Waffenhändlerbanden, die die leidenden Aliens gnadenlos ausnutzen, stand die bittere Realität Pate. Um einen hohen Authentizitätsfaktor zu erreichen, drehte Blomkamp große Teile des Films sogar in realen südafrikanischen Slums. Ihre ganze Wucht erhalten diese Aufnahmen aber erst durch die Konfrontation mit dem zynischen Gehabe der Offiziellen, in deren Augen die sich stetig vermehrenden Außerirdischen reine Versuchskaninchen sind. Sie nehmen sie als Objekte wahr, die den technischen Fortschritt der Menschheit beschleunigen können. Sie wollen weder die Erde erobern, noch friedlich mit den Menschen Kontakt aufnehmen. Sie sind schlicht gestrandet und sie wollen eigentlich einfach nur wieder weg. Dass sich „District 9“ bisweilen weniger wie ein Spielfilm, sondern mehr wie eine Reportage, der ungefilterte Realität anfühlt, ist auch eine Folge der Kameraführung. Die mehr an eine Privatdokumentation erinnert in der Van Der Merwe ein netter, aber auch leicht einfältiger Bürokrat, der zunächst gar nicht weiß, wie ihm geschieht. Er wird weniger wegen seiner Fähigkeiten befördert, sondern mehr wegen seines ruhigen Gemüts und vor allem, weil sein Schwiegervater Piet Smit (Louis Minnaar) ein hohes Tier bei der MNU ist.
Nun zum Film.
Vor 20 Jahren tauchte über der südafrikanischen Metropole Johannesburg ein großes Raumschiff auf. Die Aliens kamen weder in kriegerischer noch in friedlicher Absicht, sie strandeten einfach zufällig dort. Direkt unter dem Raumschiff wurde „District 9“, ein Auffanglager für die ursprünglich 1,8 Millionen Außerirdischen eingerichtet, die dort seither in erbärmlichen Verhältnissen leben müssen. Ein Township für Aliens ist entstanden. In dem von einer eigens geschaffenen internationalen Organisation, der Multi-National United (MNU), verwalteten Lager herrscht Chaos und nigerianische Waffenhändler bereichern sich an den Außerirdischen. Die einstigen großen Erwartungen, die mit dem ersten Alien-Kontakt einhergingen, wurden enttäuscht, auch der von der MNU erhoffte technologische Quantensprung blieb aus. Das außerirdische Waffenarsenal ist für die Menschen aufgrund eines biomechanischen Schutzmechanismus nicht nutzbar. Zudem steigt der Hass gegenüber den mittlerweile 2,5 Millionen im Camp lebenden Aliens immer weiter. Die MNU will diese daher in ein neues Lager in der Einöde 200 Kilometer außerhalb von Johannesburg verlegen. Wikus Van De Merwe (Sharlto Copley) wird zum Leiter der Operation berufen und soll sicherstellen, dass alle Aliens über den Umzug informiert werden. Im Gegensatz zu MNU-Truppenführer Koobus Venter (David James) will er die Umsiedelung ohne jegliche Gewaltanwendung vollziehen. Doch Van De Merwe wird beim Einsatz verwundet und kommt zudem mit einer außerirdischen Flüssigkeit in Kontakt, die ihn verändert: Sein verletzter Arm mutiert zu einer Alien-Extremität, mit der Van De Merwe die explosiven Waffen der Außerirdischen bedienen kann. Um hinter sein Geheimnis zu kommen, ist der MNU jedes Mittel recht, auch der Tod des Patienten wird einkalkuliert. Doch Van De Merwe kann fliehen. Von der MNU gejagt, gibt es nur einen Ort, wo er sich verstecken kann: „District 9“. Somit wird aus dem Jäger ein gejagter. Wenn er anfangs als weißer Bestimmer kam bettelt er nun um Hilfe und Unterstützung bei den Aliens die er zuvor unterdrückt und schikaniert hat. Aber da sich nun das Blatt gewendet hat verhilft er einer kleinen Alien Familie (Vater – Sohn) zur flucht. Und sie versprechen in 3 Jahren zurück zu kommen um ihn zu einem Menschen zurück zu verwandeln.
Wir können gespannt bleiben wie das gelingen wird.
Fazit: So ist „District 9“ eine der großen Überraschungen des Jahres, für die ein Kinobesuch unbedingt eingeplant werden sollte.
5 von 5
Regie: Neill Blomkamp
Mike Kühnel
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